Dissertationsprojekte

Dissertationsprojekt von Salome Augstburger

Albert Wild (1870-1950) war reformierter Pfarrer und stark im Fürsorgewesen engagiert. Er spürte in sich den «durch Christus gestärkten Willen, als Pfarrer zu helfen, zu retten und den Mitmenschen zu dienen». Diese Arbeit fragt nach der Mitwirkung von Albert Wild im Armen- und Fürsorgewesen, nach seiner Deutung von Armut und seiner Haltung gegenüber den sozialpolitischen Debatten zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Dissertationsprojekt von Patrick Brand

Das Dissertationsprojekt untersucht, was die Ekklesiologie einer vorläufigen Kirche, wie sie Karl Barth in KD IV beschreibt, zu einer dynamischen Kirchenentwicklung unter zeitgenössischen soziologischen Bedingungen beitragen kann. In der gegenwärtigen kirchlichen Praxis und Kirchentheorie hemmen angesichts religionssoziologischer Veränderungen wie der Individualisierung und insbesondere dem Rückgang der Mitgliederzahlen oftmals Krisen- oder Untergangsnarrative die Entwicklung der Kirche. Vor dem Hintergrund einer vorläufigen Ekklesiologie frage ich daher danach, inwiefern die Kirche hoffnungsvoll und mit Vorfreude dynamisch ihrem eschatischen Ende entgegengehen kann, ohne sich dabei vor ihrem vorzeitigen Ende fürchten zu müssen. Meine These besteht darin, dass ein ekklesiologisches Selbstverständnis der Kirche als Interimsprovisorium dazu beitragen kann, mit gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen kirchlicher Existenz potenzialorientiert umzugehen. Zugleich entlastet eine solche Heuristik die Kirche von der Vorstellung, sich selbst ewig erhalten zu müssen.

Betreuung: Prof. em. Dr. Magdalene L. Frettlöh

Dissertationsprojekt von Deborah Epstein

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob sich in der Philosophie von Hermann Cohen ein Alteritätsbegriff abzeichnet und wie dieser definiert werden kann. Hermann Cohens Werk wurde in der Forschung vor allem im Hinblick auf seinen Dialogbegriff rezipiert, eine umfassendere Untersuchung über Alteritätsmotive steht jedoch noch aus. Diese Fragestellung ist von großer Bedeutung, um sowohl das Denken Cohens als auch dessen Rezeptionsgeschichte im 20. Jahrhundert zu verstehen. Dabei wird die zentrale Problemstellung durch eine Leitfrage geprägt: Kann Alterität überhaupt gedacht werden, ohne sich von einer vernunftzentrierten, abendländischen Philosophie abzuwenden? Anders formuliert: Ist es möglich, der Andersheit des Anderen im Rahmen eines neukantianischen Vernunftbegriffs, wie ihn Cohen vertritt, gerecht zu werden?

Mit Blick auf die Alteritätsphilosophien des 20. Jahrhunderts entsteht der Eindruck einer Unvereinbarkeit von Alterität und Vernunft. Insbesondere angesichts der oft negativ rezipierten Philosophie Cohens und der neukantianischen Schule, die häufig des wissenschaftsgläubigen Denkens und der Geschichts- sowie Existenzvergessenheit beschuldigt wird, eröffnet die Frage nach Alterität wesentliche Grundprobleme für das Selbstverständnis der Philosophie im 20. Jahrhundert. Diese einseitige Reduzierung des Neukantianismus hält sich tatsächlich auch in der gegenwärtigen Philosophie (so etwa Žižeks Polemik einer „neukantianischen Staatsphilosophie“ oder Di Cesares Einordnung des Neukantianismus als Fortführung einer kapitalistischen Wissenschaftsgläubigkeit).

Die Fragestellung nach Alterität ist somit mehr als nur eine Untersuchung über diesen Begriff: Durch sie können die gängigen Zuordnungen Cohens bzw. des neukantianischen Programms sowie wichtige Schlüsselmomente in der Herausbildung der oft überstrapazierten Zäsur in der Philosophiegeschichte des 20. Jahrhunderts neu hinterfragt werden. Die zentrale Frage nach einem potenziellen Alteritätsdenken bei Cohen, das sich möglicherweise auf einer anderen Ebene als das von Levinas befindet, ist somit eng mit der größeren Problemstellung der Wahrnehmung des Neukantianismus in der modernen Philosophie verbunden. 

Betreuung: Prof. Dr. phil. Luca Di Blasi, Dr. Inka Sauter

Dissertationsprojekt von Andreas Frei

Gibt es so etwas wie radikale Freiheit? Wie verhalten sich Freiheit und Subjektivität zueinander und wie könnte eine Theologie der Befreiung unter gegenwärtigen Bedingungen aussehen? Von derlei Fragen wird mein Dissertationsprojekt geleitet. Methodisch lässt sich mein Vorgehen mit Walter Benjamin als „Tigersprung“ beschreiben. Ausgehend von einem herausragenden philosophischen Entwurf der Gegenwart vollziehe ich einen „Tigersprung ins Vergangene“ (Benjamin) – zu den Anfängen der Philosophie der Befreiung ab Ende der 1960er-Jahre. Der Benjaminsche Tigersprung fungiert als konstellative Methode, die Christoph Menke mit Enrique Dussel ins Verhältnis setzt.

Inhaltlich bedeutet dies, dass ich mich zunächst Christoph Menkes (* 1958) Werk Theorie der Befreiung im Besonderen und seiner Philosophie der Befreiung im Allgemeinen zuwende, um sodann zu Enrique Dussel († 2023) und seinem Werk Philosophie der Befreiung zu springen. Warum gerade diese Konstellation? Christoph Menke hat mit Theorie der Befreiung (2022) einen philosophischen Entwurf vorgelegt, der Befreiung radikal neu zu denken versucht. Nach Menke ist Befreiung kein subjektiver Akt, sondern sie ereignet sich in einer Erfahrung der Faszination. Damit deutet Menke den Prozess der Befreiung als Widerfahrnis und begründet seine Idee der radikalen Freiheit im Zuge einer Ästhetik der Befreiung, in welcher der Religion eine bedeutende Rolle zukommt. Enrique Dussel wiederum – Theologe, Philosoph und Historiker – hat mit Philosophie der Befreiung (1977) eine Theorie entwickelt, die den Befreiungsdiskurs in Lateinamerika philosophisch fundiert und zugleich dezidiert von der Perspektive der Ausgeschlossenen und Unterdrückten her denkt. Sein Entwurf bricht mit eurozentrischen Denkformen und eröffnet eine Philosophie und Theologie von der Peripherie aus, deren normative Orientierung an der Exteriorität bis heute von grundlegender Bedeutung ist.

Ziel der Arbeit ist es, aus der kritischen Konstellation Menke–Dussel und Dussel–Menke Impulse für eine heutige Theologie der Befreiung zu gewinnen. Dabei soll ausgelotet werden, inwiefern Menkes Konzept radikaler Freiheit durch Dussels ethisch-politisches Befreiungsdenken korrigiert, vertieft oder neu perspektiviert werden kann – und umgekehrt, welche produktiven Herausforderungen Menkes Freiheitsverständnis für die Weiterentwicklung einer gegenwärtigen Theologie der Befreiung bereithält.

Betreuung: Prof. em. Dr. Magdalene L. Frettlöh, Prof. Dr. phil. Luca Di Blasi

Dissertationsprojekt von Lukas Gerber

Die Diakoniewissenschaft schenkt dem Thema der Ökonomisierung seit vielen Jahrzehnten große Aufmerksamkeit und bezeichnet sie als Gesetzmäßigkeiten der Wirtschaft (Haslinger). Hilfswerke, die in der Diakoniewissenschaft bislang nur selten als Forschungsobjekt berücksichtigt werden, können sich dieser Gesetzmäßigkeit nicht entziehen. So wird in der Fachliteratur moniert, dass NGOs ihre Professionalität stetig verbessert haben (Frantz/Martens). NGOs können nur auf Gelder hoffen, wenn ihre Arbeit als wirksam erachtet wird. Das führe wiederum zu einem unaufhörlichen Kreislauf: Um gegenüber anderen NGOs bestehen zu können, bedarf es qualitativer Lobbyarbeit, die gleichzeitig höhere Kosten verursacht.

Das Dissertationsprojekt nimmt die Frage in den Fokus, ob Hilfswerke unbeabsichtigt zur Ökonomisierung beitragen. Dabei wird die herkömmliche Fragestellung umgekehrt: Nicht mehr die Frage, ob Hilfswerke von Ökonomisierung betroffen sind, steht im Zentrum, sondern in welchem Ausmaß sie selbst aktiv zu diesem Prozess beitragen.

Das methodische Vorgehen der Arbeit basiert auf der Vierschrittmethode (Orientieren, Sehen, Urteilen, Handeln), die in der Diakoniewissenschaft, aber auch in anderen Wissenschaftsbereichen wie etwa in der Religionswissenschaft üblich ist. Am Beispiel der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) sowie der Ökumenischen Kampagne soll nach dieser These, ob Hilfswerke selbst zu einer Ökonomisierung beitragen, geforscht werden. Die tieferliegende Fragestellung lautet: Wie könnte eine Konzeption des Sozialen aussehen, die nicht zur Ökonomisierung des Sozialen führt, sondern eine Ökonomie für das Soziale fördert?

Dissertationsprojekt von Luana Sara Hauenstein

Wenn eine argentinische queer-feministische Theologin davon spricht, «Theologie ohne Unterwäsche» in aller feministischen Ehrlichkeit zu treiben; wenn sie von Zitronenverkäuferinnen erzählt, die ohne Unterwäsche unter ihren langen Röcken Zitronen in den Strassen von Buenos Aires verkaufen; und wenn sie einen Bi-Christus entwirft, der sich sexuellen Normen entzieht, dann eröffnet das eine hochgradig ethisch-politische Auseinandersetzung mit einer schillernden und bewusst provokativen Theologin.

In meinem Dissertationsprojekt setze ich mich mit der Theologie Marcella Althaus-Reids (1952–2009) auseinander, deren Denken die Befreiungstheologie postkolonial, queer-feministisch und material-ethisch verschärft. Sie nimmt marginalisierte Menschen in den Blick und stellt sie in Beziehung zu Gottesbildern. Die Menschengruppen sind realer Teil von Althaus-Reids Kontexten und mehr als blosse Metaphern – sie sind vielmehr radikal material zu verstehen und werden selbst zum Ort theologischer Erkenntnis. Inspiriert von den menschlichen Erfahrungen in ihrer materialen Fülle bezieht Althaus-Reid eine auf Sexualität und Körperlichkeit ausgerichtete Perspektive auf Gott ein. Diese Perspektive umfasst auch Überlegungen zu Gender, sexuellen Identitäten, Machtverhältnissen usw. Mein Fokus gilt den ethischen Implikationen Althaus-Reids Gottes-, Menschen- und Körperbilder und wie diese für gegenwärtige Diskurse fruchtbar gemacht werden können. Um eine Übertragung von Althaus-Reids Gedanken in andere Kontexte zu ermöglichen, ist ausserdem eine Auseinandersetzung mit Althaus-Reids Kontexten und der Verbindung ihrer Person mit ihrer theologischen Existenz essenziell.

Betreuung: Prof. Dr. Mathias Wirth, Prof. em. Dr. Magdalene L. Frettlöh und Prof. Dr. Peter-Ben Smit

Dissertationsprojekt von Christoph Kerwien

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit zeitgenössischen Formen von innerreligiös begründetem Atheismus innerhalb der drei sogenannten abrahamitischen Religionen; also mit christlichem, jüdischem und islamischem Atheismus in interreligiöser Perspektive.

Der Fokus liegt dabei auf dem auf dem deutsch- und englischsprachigen Diskurs, wobei Slavoj Žižeks aktuelle dialektisch-materialistische Form des christlichen Atheismus als exegetischer und hermeneutischer Ausgangspunkt dient. Der slowenische Philosoph, Psychoanalyst und Kulturkritiker entwickelte in den Jahren 2000 bis 2009 bereits in seinem älteren religionsphilosophischen «Quartett» (The Fragile Absolute; On Belief; The Puppet and the Dwarf und The Monstrosity of Christ) die Grundzüge seiner dialektisch-materialistischen Lesart des Christentums, die er spätestens im Jahr 2024 mit Christian Atheism vollends zu einer innovativen und radikalen religiös-atheistischen Form des Christentums ausformulierte und in sein neues dialektisch-materialistisches Denksystem einpasste. Mit Hilfe der Begriffe und Begründungsweisen von G. W. F. Hegel, Jacques Lacan und G. K. Chesterton (aber auch der Epistemo-Ontologie der Parallaxe und der Quantenphysik) argumentiert Žižek für einen «atheistischen Kern des Christentums», bei dem der Tod Christi am Kreuz eine neue und vor allem für Žižek einzigartige Bedeutung und dem atheistischen Christentum eine unvergleichbare Rolle zukomme.

Neben der grundlegenden Binnenspannung eines christlichen Atheismus steht Žižeks Argumentation (v.a. mit ihrem Einzigartigkeitsanspruch des christlichen Atheismus) darüber hinaus auch in interreligiöser Spannung und Ambivalenz zu ebenfalls vorhandenen aktuellen Formen weiterer religiöser Atheismen innerhalb der anderen sog. abrahamitischen Religionen; also zu Formen des aktuellen jüdischen und islamischen Atheismus. Diesem interreligiös-interatheistischen Verhältnis zwischen Žižeks christlichen Atheismus und aktuellen Formen des jüdischen und islamischen Atheismus soll analytisch erhellend, aber auch kritisch im Dissertationsprojekt nachgegangen und somit ein Beitrag geleistet werden, Atheismus nicht nur innerreligiös, sondern auch interreligiös besser zu verstehen – allen voran Žižeks christlicher Atheismus. Die Frage lautet dabei, ob sich mit, gegen und über Žižek hinaus eine interreligiös-interatheistische Perspektive der Abrahamitischen Atheismen plausibilisieren lässt.

Betreuung:  Prof. Dr. phil. Luca Di Blasi, Prof. Dr. Elad Lapidot, Dr. Anoush Ganjipour

Dissertationsprojekt von Chae Bin Kim

Wer ist Christus für die koreanischen Frauen* in der europäischen Diaspora? Dieser Frage geht dieses Dissertationsprojekt nach. Es wird versucht, den kontextuellen Ort der Theologie so präzise wie möglich zu bestimmen, damit die Christologie für koreanische Frauen* in der Diaspora relevant wird und ihnen entsprechend artikuliert werden kann. Im Projekt wird nach der ältesten religiösen Tradition Koreas, dem koreanischen Schamanismus ‚Mugyo', geforscht, um dort die bereits vorhandenen, koreaeigenen religiösen Elemente als Ressource wiederzuentdecken und sie mit den christlichen zu versöhnen. Konkret wird die weibliche schamanistische Figur/Rolle ‚Mudang' reflektiert, um durch sie Christus neu zu verstehen.

Das Projekt bearbeitet ein systematisch-theologisches Thema der Christologie, indem es postkoloniale, feministische und multireligiöse Perspektiven anzunehmen versucht.

Betreuung: Prof. em. Dr. Magdalene L. Frettlöh

Dissertationsprojekt von Wanja Kirchhoff

Das geplante Dissertationsprojekt fragt nach dem Zusammenhang geistiger und geschlechtlicher Strukturen (den erotisch-sexuellen, den genealogischen, den ethnischen und den die Gattung betreffenden Bereich eingenommen) in der gemeinhin als ,gnostischʻ bezeichneten Literatur der Spätantike. Leitend ist die Gesamthypothese, nach welcher die Figuren der Erkenntnis (γνῶσις) und der Gattung (γένος) einander in der ,gnostischenʻ Mythopoesie sowohl wechselseitig konstituieren als auch aufheben. Während unter dem ersten Aspekt die ,gnostischenʻ Vorstellungen glückender Anthropogenese zum Tragen kommen, sind es nach der anderen Seite die zahlreichen Fälle monströser Zeugungen, die vom erwähnten Wechselsverhältnis her zu beleuchten sind. In die Analyse miteinbezogen werden die motivgeschichtlichen, mythologischen, philosophischen und zoologischen Faktoren der bisweilen koinzidentiellen Nähe von Gnoseologie und Genealogie in der ,Gnosisʻ, deren Auswirkungen auf das Selbstverständnis der ,Gnostikerʻ und das Verhältnis von Form Inhalt ihrer Mythopoesie.

Unter der reichen Forschungsliteratur zur ,Gnosisʻ ist verschiedene Aspekte der Geschlechtlichkeit verschiedentlich, wenn auch keineswegs erschöpfend behandelt worden. Bereits die philologisch oder motivgeschichtlich orientierte Forschung kommt nicht umhin, sich mit dem reichen sexuellen und genealogischen imaginaire der betreffenden Quellen auseinanderzusetzen — nicht nur, aber insbesondere dort, wo die ,gnostischeʻ Rezeption der biblischen Genesis im Fokus steht. Gezielter ist das Thema (bei teils feministisch motivierten Fragestellungen) unter der Herausgeberschaft von Karen L. King, Elaine Pagels und Ingvild Sælid Gilhus, in jüngerer Zeit auch durch den gender-theoretischen Ansatz Jonathan Cahana-Blums angegangen worden. Allerdings liegt bislang keine Studie vor, die das Geschlechtliche im Sinne des gesamten oben erwähnten Bedeutungsspektrums auf seine Funktionen, seinen Stellenwert und seinen Zusammenhang mit geistigen bzw. gnoseologischen Strukturen anhand der Quellen zur ,Gnosisʻ untersucht. Die geplante Arbeit sucht, dieses Desiderat zu schließen, indem die ‚Gnosis‘ als Forschungsgegenstand zugleich wieder theoretischen bzw. philosophischen Reflexionen geöffnet werden soll.

Betreuung: Prof. Dr. phil. Luca Di Blasi, Prof. Dr. Dylan M. Burns 

Dissertationsprojekt von Isabelle Knobel

Der Begriff der Intersektionalität greift auf, durch welche Identitätsmerkmale wir Benachteiligung oder Privilegien erleben, und wie sich diese Kategorien überschneiden und dadurch spezifische Diskriminierungserfahrungen entstehen. Das Ziel der Arbeit ist es, dieses machtsensible Konzept für die Diakonie fruchtbar zu machen. Kernstück der Arbeit ist die theoretische Verknüpfung von Diakonie und Intersektionalität und das Erarbeiten eines Modells einer intersektionalen Diakonie. Gerahmt wird die Arbeit durch einen Blick in die Praxis auf eine intersektional mehrfach benachteiligte Gruppe: Sexarbeiterinnen, welche oftmals Diskriminierung aufgrund ihres Berufs, ihres Geschlechts, ihres allfälligen Migrationshintergrundes etc. erleben. Biographische Beispiele werden dabei auf diese Erfahrungen hin untersucht, um diakonisch-ethische Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.


Die Dissertation soll hilfreiche Grundlagen schaffen, um Intersektionalität in diakonischer Praxis wahr- und ernst zu nehmen, um Diakonie machtsensibel zu gestalten, um eigene Positionierungen zu ermöglichen und um weitere Forschung in diesem Bereich anzuregen.

Dissertationsprojekt von Sandra Kunz

Das Promotionsprojekt geht von der These aus, dass sich in einer visuellen, „bildlastigen“ und zunehmend kirchenfernen bzw. kirchenentfremdeten Gesellschaft Kunst gegenüber theologischen Reden und theologischen Texten als eine attraktive(re) Verkünderin christlicher Inhalte erweist.

Der Solothurner Bildhauer Schang Hutter (1934 – 2021) und der Berner Pfarrer und Theopoet Kurt Marti (1921 – 2017) haben sich nicht gekannt bzw. sind sich nie bewusst begegnet. Zur Stützung obiger These wird im vorliegenden Projekt der Versuch unternommen, die Begegnung zwischen den beiden Kunstschaffenden (Marti soll in erster Linie als Poet und Schriftsteller gefasst werden) gewissermassen nachzuholen, indem ausgewählte Skulpturen Hutters mit erlesenen Gedichten Martis ins Gespräch gebracht werden. Stellvertretend für zwei umfassende Lebenswerke werden Oeuvres ausgewählt, welche Hutters Arbeitsmotto, das gleichzeitig der Titel dieses Projekts ist, exemplarisch zum Ausdruck bringen: „Der Verletzlichkeit Raum geben“. Im Sinne der Ausgangsvermutung steht die Begegnung an der Grenze verschiedener Disziplinen unter der Hypothese, repräsentativen Charakter zu haben.

Dieser Dialog zwischen dem Theopoeten und dem Bildhauer soll schliesslich in den Kontext der aktuellen systematisch- und praktisch-theologischen Vulnerabilitätsdebatte gestellt werden. Welche neuen Impulse  sind in diesem Umfeld von ihm zu erwarten? Welche neuen Vermittlungs-Stimuli können für die Theologie furchtbar gemacht werden?

Betreuung: Prof. em. Dr. Magdalene L. Frettlöh

Dissertationsprojekt von Tobias Zehnder

Der Neutestamentler Grant Macaskill schreibt 2019 über seine Forschung im Spektrum von Theologie und Autismus, er sei sich bewusst, «dass diese Arbeit zu einer Konversation beiträgt, die gerade erst begonnen hat und über die Grenzen [der Bibelforschung] hinweg beginnen muss». Ziel meiner Arbeit ist es, eine Grundlage für diesen Dialog auch im deutschsprachigen Raum zu schaffen und für das Thema und sein allgemeines Potential zu sensibilisieren.

Dabei möchte ich auch aufzeigen, dass Theologien des Autismus nicht nur für Autistinnen ein Gewinn sind. Die sinnlich-leibliche Wahrnehmung von Autistinnen kann – als Durchkreuzung einer sinnlich entfesselten Gegenwart – zu seiner gerade auch spirituellen Be-Sinnung beitragen und damit eine sinnen-volle Theologie bereichern. Anfragen an vertraute Begriffe wie Gemeinschaft, Heil/ung oder Beziehung helfen, eingespielte Denkmuster zu hinterfragen und neu zu gewichten. Damit leisten Theologien des Autismus wichtige Ergänzungen zu partizipativen Menschen- und Gottesbildern. Dies wiederum sensibilisiert für die Anerkennung von Differenz im Kontext einer diversen sowie kulturell vielfältigen (Kirchen-)Welt.

Betreuung: Prof. em. Dr. Magdalene L. FrettlöhProf. Dr. Frank Mathwig